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Lehrermangel an deutschen Schulen

Der Lehrermangel in Deutschland nimmt besorgniserregende Züge an. Bundesweit fehlen derzeit mehr als 3.400 Lehrer, die meisten davon in Nordrhein-Westfalen und in Baden-Württemberg. Diesbezüglich besonders betroffen sind Grundschulen.

Negativer Spitzenreiter bei offenen Lehrerstellen ist Nordrhein-Westfalen, das bevölkerungsreichste Bundesland. Für das Schuljahr 2017/18 wurden 2.883 Stellen neu besetzt, bei 2.139 war das nicht möglich. In Baden-Württemberg waren mehr als 5.000 Stellen ausgeschrieben und 635 konnten nicht besetzt werden. In Niedersachsen fehlen 151 Lehrer, in Sachsen-Anhalt und Hessen sind es jeweils 100, knapp dahinter liegen Bremen und Hamburg. Relativ gering sind die Defizite in Schleswig-Holstein, Rheinland-Pfalz und Thüringen. Was die Zahlen anbelangt, so stehen die übrigen sechs Bundesländer gut da. Dass hier sämtliche Stellen besetzt werden konnten, ist allerdings oftmals Notlösungen zu verdanken.

Das größte Problem ist der Mangel an qualifiziertem Personal, insbesondere an den Grundschulen. 930 der 2.139 offengebliebenen Stellen in Nordrhein-Westfalen betreffen die Grundschulen, lediglich 88 die Gymnasien und 40 die Hauptschulen. Der Beruf des Grundschullehrers ist nicht attraktiv genug und das liegt auch an der schlechten Bezahlung. Besser geht es den Gymnasien, da ihnen zwar Lehrer fehlen, aber in manchen Fächern und in einigen Bundesländern sogar zu viele davon da sind. Die einzelnen Bundesländer arbeiten an langfristigen Konzepten, um die spezifischen Fehlentwicklungen zu korrigieren und sind zu Notmaßnahmen gezwungen, um akute Engpässe zu beheben.

In Sachsen, wo alle 1.400 ausgeschriebenen Stellen besetzt werden konnten, gelang dies nur mit 720 Seiteneinsteigern, in Berlin kommen heuer 1.230 Seiteneinsteiger zum Einsatz, in Baden-Württemberg sind es immerhin 150 junge Menschen, die in Klassenzimmern stehen und unterrichten, aber über keine pädagogische Qualifikation verfügen. In der Regel werden sie ins sprichwörtliche „kalte Wasser“ geworfen. Das belastet sie selbst und beeinträchtigt nicht selten die Unterrichtsqualität. Seiteneinsteiger werden überwiegend von Grundschulen angeworben, in Baden-Württemberg, Thüringen und Hessen sind Seiteneinsteige an allgemein bildenden Schulen gar nicht möglich.

Etwa jeder zweite neue Lehrer ist heute ein Seiteneinsteiger, bereits pensionierte und sich in Elternzeit befindende Lehrer werden in den Schuldienst zurückzuholen versucht. Warum wurden nicht rechtzeitig ausreichend Lehrer ausgebildet? Der Grund hierfür ist in erster Linie darin zu sehen, dass der von der Kultusministerkonferenz prognostizierte Rückgang der Schülerzahlen ausgeblieben ist. Das Gegenteil war der Fall. Einerseits sind die Geburtenraten gestiegen, andererseits hat die Aufnahme vieler Menschen mit Flucht- und Migrationshintergrund auch zu einer höheren Anzahl an Schulkindern geführt.

Was die weitere Entwicklung anbelangt, so geht die Kultusministerkonferenz dennoch davon aus, dass die Zahl der schulpflichtigen Kinder allmählich abnehmen wird, eine von der Bertelsmann Stiftung beauftragte Studie sagt hingegen eine drastische Zunahme bis 2025 voraus. Über die Zahlen und Szenarien kann gestritten werden, außer Streit steht jedoch, dass in den nächsten Jahren eine Pensionierungswelle bei den Lehrern bevorsteht. Demnach nehmen die Herausforderungen eher zu als ab und die Zeit drängt.

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